BWS x WiA25: Dreckige
Traditionen
– ein Rückblick
Bereits zum zweiten Mal fand in diesem Juni das bundesweite Festival Women in Architecture statt. Ziel der Initiative ist es, Frauen und ihre Arbeit in den Bereichen Architektur, Innenarchitektur, Stadt- und Landschaftsplanung sichtbar zu machen. Entstanden ist ein vielfältiges Programm aus Diskussionsformaten, Ausstellungen, Workshops und vielem mehr!
Auch wir als Bauwende Sachsen wurden von der Architektenkammer Sachsen eingeladen, einen Abend im Begleitprogramm der Ausstellung „Wir sind viele“ im ZfBK Sachsen im Kulturpalast zu gestalten.
Unter dem Titel „Dreckige Traditionen“ luden wir bei sehr sommerlichen Temperaturen am 26. Juni zu einem Netzwerkabend in den Kulturpalast in Dresden ein, um weibliche Perspektiven auf die Arbeitskultur im Bauwesen zu diskutieren. Denn nach wie vor zeigt sich in der Realität auf Baustellen: Je dreckiger eine Arbeit ist, desto weniger Frauen sind zu finden! Von den Handwerker:innen im Bauhauptgewerbe machen Frauen aktuell gerade einmal 1,9% aus. Doch für eine erfolgreiche Transformation des Bausektors brauchen wir vor allem die engagierten Menschen, die die Bauwende machen – auf unseren Baustellen muss also Platz für alle sein. Um diese komplexe Gemengelage zu besprechen, haben wir uns Unterstützung von Praktikerinnen geholt: eine Bauingenieurin, eine angestellte Zimmerin, eine Architektin in der Bauleitung und eine selbstständige Tischlermeisterin bereicherten die Veranstaltung, indem sie ihre Erfahrungen und Perspektiven mit uns teilten.
Der Abend begann mit einem kurzen Input zur aktuellen Datenlage und der Vorstellung der eingeladenen Praktikerinnen. Anschließend entstand im Rahmen eines World Cafés ein reger Erfahrungs- und Meinungsaustausch. Die erste Runde drehte sich vermehrt um den Status Quo der Baubranche: Werden Frauen im Handwerk und in der Bauleitung bereits vollends akzeptiert oder haben männliche Kollegen immer noch Vorbehalte gegen sie? Mit welchen Vorurteilen hat frau zu kämpfen und woher kommen die eigentlich? Welche Strategien helfen beim Umgang mit negativen Erfahrungen? In der zweiten Runde des World Cafés wurde dann verstärkt über Zukunftsperspektiven diskutiert: Welche Vorteile haben diverse Teams für die Arbeit am Bau? Welche Arbeitskultur brauchen wir, um mehr Frauen für „dreckige“ Arbeit zu begeistern?
Über all diese Fragen entstanden angeregte Gespräche und teils leidenschaftliche Diskussionen. Es ist uns gelungen, einen Raum zu schaffen, in dem die Anwesenden sehr offen über ihre Erfahrungen sprechen konnten. So wurden neben der Geschlechterfrage auch Aspekte von Alter bzw. Generationenunterschieden sowie die Vereinbarkeit eines Berufs auf der Baustelle mit familiärer Care-Arbeit diskutiert.
Einige der Gedanken und gemeinsam entwickelten Ideen haben wir auf Notizzetteln festgehalten. Die dabei entstandenen Poster konnten wir dankenswerterweise zur bestehenden Ausstellung hinzufügen und dem Thema somit noch etwas längere Sichtbarkeit geben.
Am Ende des Abends hörten wir von den Teilnehmer:innen vor allem einen Wunsch: mehr Austausch, mehr Vernetzung, mehr Formate dieser Art! Es war schön zu sehen, wie neue Kontakte geknüpft wurden, die zukünftig für gemeinsame Projekte genutzt werden können. Denn für uns ist klar: Die Bauwende ist ein andauernder Prozess, der umso erfolgreicher verlaufen wird, je mehr Menschen wir für eine neue, gleichberechtigte Arbeits- und Umbaukultur begeistern können!
Vielen Dank vor allem an Anja Oehler-Brenner, Leiterin des Arbeitskreises Chancengleichheit und Teilhabe der AK Sachsen, und das Team des ZfBK Sachsen für die Einladung und die Zusammenarbeit!