Die OrangeListe will
Leerstand
aktivieren
- mit eurer Hilfe
!
Wenn über die Bauwende gesprochen wird, geht es oft um mehr Nachhaltigkeit im Neubau, Energieeffizienz oder technische Innovationen. Ein großer Teil der Bauwende entscheidet sich jedoch an einem anderen Punkt: im Umgang mit dem, was längst gebaut ist. Leerstehende Wohnhäuser, ehemalige Gasthöfe, Schulen, Höfe oder Fabriken prägen vielerorts das Bild unserer Städte und Dörfer, auch in Sachsen. Viele dieser Gebäude verfügen über Substanz, Geschichte und Entwicklungspotenzial. Trotzdem stehen sie oft über Jahre leer oder sind vom Abriss bedroht.
Der Grund ist selten Gleichgültigkeit. Häufig fehlt schlicht ein klarer Einstieg: Wer kann helfen? Welche Möglichkeiten gibt es? Und wie beginnt man überhaupt, ohne sofort ein komplettes Projekt aufsetzen zu müssen? Gerade diese frühe Phase entscheidet darüber, ob ein Gebäude weiter verfällt oder eine neue Perspektive bekommt.
Die OrangeListe: ein Werkzeug für den Einstieg ins Handeln
Hier setzt die OrangeListe an. Die OrangeListe ist eine offene Plattform, auf der leerstehende oder gefährdete Gebäude sichtbar gemacht werden. Ziel ist es, Aufmerksamkeit zu schaffen, Menschen zusammenzubringen und konkrete Rettungsprozesse anzustoßen.
Der Einstieg ist bewusst einfach: Jede Person kann ein Gebäude einreichen, ohne Vorwissen, ohne fertiges Konzept und ohne Verpflichtung.
Nach der Einreichung passiert Schritt für Schritt Folgendes:
Sichtung und Einordnung: Das Gebäude wird geprüft und hinsichtlich Potenzial, Gefährdung und Rahmenbedingungen eingeschätzt.
Dokumentation und Veröffentlichung: Das Objekt wird auf der Plattform OrangeListe veröffentlicht und über die Karte, eine Beschreibung und Fotos sichtbar gemacht.
Orientierung durch ein Ampelsystem: Die Einordnung zeigt auf einen Blick, wie dringend Handlungsbedarf besteht und welches Entwicklungspotenzial vorhanden ist.
Vernetzung und Aktivierung: Über das Netzwerk der Plattform OrangeListe werden Eigentümer:innen, Fachleute, Initiativen und Kommunen miteinander in Kontakt gebracht.
Start möglicher Rettungsprozesse: Daraus können lokale Initiativen, Projekte oder Kooperationen entstehen, die eigenständig weiterarbeiten.
Die OrangeListe selbst wird dabei keine Eigentümerin, Investorin oder Projektentwicklerin. Sie versteht sich als Werkzeug, das Prozesse sichtbar macht und Menschen zusammenbringt. Die konkrete Umsetzung entsteht vor Ort und wird von Initiativen, Vereinen, Genossenschaften, Kommunen oder engagierten Eigentümer:innen getragen.
Eine wachsende Bewegung für den Bestand
In kurzer Zeit sind über die Plattform OrangeListe mehrere hundert Gebäude aus ganz Deutschland gemeldet worden. Für einen Teil dieser Objekte konnten bereits erste Rettungsprozesse angestoßen werden, von ersten Gesprächen mit Eigentümer:innen bis hin zu konkreten Projekten in Vorbereitung oder Umsetzung.
Parallel dazu ist ein stetig wachsendes Netzwerk entstanden. Fachleute aus Architektur, Planung, Denkmalpflege und Finanzierung arbeiten gemeinsam mit engagierten Bürger:innen, Initiativen und Kommunen an Lösungen für den Bestand.
Bemerkenswert ist dabei: Die Initiative ist bislang ohne institutionelle Förderung entstanden. Getragen wird sie vor allem durch Engagement, fachliche Überzeugung und die gemeinsame Idee, dass erhaltenswerte Gebäude nicht verloren gehen müssen.
Da die OrangeListe-Initiator:innen aus dem süddeutschen Raum kommen und die Initiative noch relativ jung ist, sind in den ost- und mitteldeutschen Bundesländern noch nicht so viele Objekte gemeldet und Netzwerkpartner:innen vorhanden. Der Bedarf und auch das zivilgesellschaftliche Engagement sind in Sachsen und angrenzenden Regionen jedoch natürlich vorhanden. Hier seid ihr als Bewohner:innen Sachsens und als Netzwerk der Bauwende Sachsen gefragt.
Du hast auch ein leerstehendes Gebäude im Kopf?
Viele Rettungsprozesse beginnen mit einer einfachen Beobachtung: Ein Haus steht leer. Ein Gebäude verfällt. Ein Ort verschwindet langsam aus dem Alltag.
Du hast ein leerstehendes Gebäude im Kopf oder setzt dich bereits für eines ein? Melde es schon heute über die OrangeListe-Website oder werde Teil des Netzwerks von Leerstandskümmer:innen. Das Gebäude wird dann geprüft, dokumentiert und über die Plattform veröffentlicht. Anschließend versuchen wir gemeinsam mit unserem Netzwerk vor Ort mögliche Rettungsprozesse anzustoßen.
Der erste Schritt ist also sehr einfach: Leerstand sichtbar machen. Jedes sichtbar gemachte Gebäude ist eine Chance. Für das Klima, für unsere Ortskerne und für eine Bauwende, die beim Bestand beginnt.