Lehm
&
Leftovers: Ein
Lehmofen
für
die Heymannbaude
Die Heymannbaude war einst der dörfliche Mittelpunkt im idyllischen Kleinhennersdorf in der Sächsischen Schweiz. Auf dem Weg zu den Tafelbergen über Gohrisch gelegen, bot der geräumige Kultursaal der Baude Touristen, Einheimischen und örtlichen Vereinen Raum für Kulturangebote, Feste und gemeinschaftliches Zusammenkommen.
Nach der Wende kam das Leben in der Baude jedoch langsam zum Erliegen, bis das Gebäude schließlich leer stand. Seit 2023 hat sich der Verein „Kulturbaude und Landkunst e.V.“ zum Ziel gesetzt, diesen besonderen Ort wiederzubeleben. Als Veranstaltungssaal, Gästehaus und Begegnungsort soll die Heymannbaude Künstler, Nachbarn und Gäste zusammenbringen um kulturelle sowie gemeinschaftliche Praktiken im ländlichen Raum neu zu beleben.
Federführend hinter dem Vorhaben stehen Helena und Torsten, die gut in der Kulturszene vernetzt sind. Mit viel Liebe zum Detail wird die Heymannbaude seither behutsam saniert. Der Veranstaltungssaal wurde seither wieder in Nutzung gebracht und lässt heute (n)ostalgische Gefühle aufkommen. Einige Gästezimmer sind bereits in Betrieb und der gemeinschaftliche Speiseraum mit Bar und Küche bietet beste Voraussetzungen für die Kochkünste des französischen Kochs!
Gestaltung
Im Rahmen unseres Bauwende-Camps durften wir selbst bereits Gast in der Heymannbaude sein – ein tolles gemeinschaftliches Ambiente bei frischer Landluft! Da die laufenden Sanierungsarbeiten schon weit fortgeschritten waren, entstand im Gespräch mit Helena und Torsten die Idee, die kulinarischen und gemeinschaftlichen Angebote der Baude durch ein besonderes Bauvorhaben zu ergänzen: Schon länger kursierte der Wunsch nach einem holzbefeuerten Backofen, um selbst Brot und Pizza zu backen. Welcher Baustoff wäre dafür besser geeignet als Lehm?
Beim Bauwende-Camp ließen wir der Idee direkt Taten folgen und veranstalteten gemeinsam mit den Teilnehmenden einen Stegreif-Workshop. Wir sichteten mögliche Standorte sowie wiederverwendbare Materialien auf dem Gelände. Schnell zeigte sich, dass die asphaltierte Fläche am Fuß der Heymannbaude echten Marktplatzcharakter besitzt. Vor unserem inneren Auge wurde sie bereits zum gemeinschaftlichen Zentrum einer lauen Sommernacht - Ein idealer Platz für den Ofen! In Nähe zum Haus, aber gleichzeitig am Rand des Vorplatzes und günstig zur Hauptwindrichtung gelegen. Bei der Suche nach „Leftovers“ fanden wir so einige Materialien mit Wiederverwendungspotential: Neben zahlreichen Abrissziegeln kamen auch die Überreste eines unfertigen Vorgängerofens mit wertvollen Schamottesteinen zum Vorschein.
Mit diesen Grundlagen ging es weiter in die Bauplanung, dafür nahmen wir Kontakt mit Lehmbauer Sven Schindler vom Ulmenhof auf. Sven schlug einen Einkammerofen mit separater Feueröffnung und zweischaligem Mauerwerk vor. Die Konstruktion sorgt für ausreichend Speichermasse und hilft, typische Risse durch Temperaturspannungen zu vermeiden. Abrissziegel und Schüttungen konnten dabei direkt wiederverwendet werden. Auch die Ofentüren sollten zum Hingucker werden: Für Backraum, Feuerraum und Reinigungsöffnungen wurden wir auf Kleinanzeigen fündig und konnten mehrere schöne gebrauchte Stücke erwerben.
Workshop
Um zwischen den Bauabschnitten ausreichend Trocknungszeit zu ermöglichen, trafen wir uns an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden zum gemeinsamen Bauen. Zuvor hatte das Team bereits die ersten drei Sockelreihen aus Klinkern gemauert, um den Ofen vor aufsteigender Feuchtigkeit und Spritzwasser zu schützen.
Am ersten Workshop-Sonntag fand sich eine bunt gemischte Gruppe aus Erwachsenen und mehreren Kindern: Gemeinsam mauerten wir weitere Sockelreihen aus Ziegeln und Lehmmörtel auf, sichteten und säuberten die Abrissziegel und legten sie für einen Gewölbebogen aus. Dieser schuf im Sockel zugleich einen praktischen Lagerraum für Feuerholz.
Am folgenden Wochenende ging es dann mit einer neuen Gruppe Teilnehmer:innen weiter. Lehmbauer Sven brachte verschiedene Schamottesteine, Werkzeuge und eigens angemischten Lehm aus Baugrubenaushub mit. Auf den angetrockneten Sockel setzten wir mithilfe einer hölzernen Bogenlehre den Gewölbebogen. Eine Perliteschüttung über diesem verhindert, dass Wärme aus der Backkammer nach unten verloren geht. Darauf wurden die Schamotteplatten für die eigentliche Backfläche verlegt – der erste Abschnitt war geschafft!
Anschließend mauerten wir die Backraumkuppel aus Schamottesteinen. Die organische Form war zunächst herausfordernd. Doch mit viel Geduld, Austausch und Teamarbeit konnten wir die Kuppel schließlich vollenden. Danach folgte die Außenkuppel aus wiederverwendeten Abrissziegeln, ebenfalls mit Lehmmörtel vermauert. Gleichzeitig mussten die Ofentüren eingebunden und die Rauchzüge ausgespart werden – eine Arbeit, die einiges an Fingerspitzengefühl erforderte. Zwischen den Mauerschalen wurde zusätzlich eine Dämmschüttung eingebracht.
Ganz fertig wurde das Bauteam an diesem Wochenende nicht mehr. Für einige Teilnehmende stand am Sonntagnachmittag bereits eine längere Rückreise an. Die letzten Arbeiten übernahm Sven – aber noch am Sonntagabend erreichte uns das erste Foto vom fertigen Lehmofen! Die erste Pizza für Helena, Torsten und Sven ließ natürlich nicht lange auf sich warten…
Danke an das fleißige und unermüdliche Bauteam!