Rückblick:
Bauwende-Camp
2026
Heymannbaude
in
Kleinhennersdorf
Umringt von den idyllischen Feldern und imposanten Felsen der Sächsischen Schweiz, durften wir es uns für unser drittes Bauwende-Camp in der Heymannbaude in Kleinhennersdorf gemütlich machen. Die regionaltypische Baude wird von Torsten, Helena und ihrem Team Stück für Stück und mit viel Liebe zu einem ländlichen Kultur- und Kunstort wiederbelebt. Hier haben wir uns diesmal für ein ganzes Wochenende zusammengefunden, mit einem vollen Programm am Freitag und Samstag und anschließend einem entspannten, gemeinsamen Wandersonntag.
Als alle am Freitag den ersten kleinen Aufstieg durch den Wald geschafft und sich auf der Zeltwiese niedergelassen hatten, gab es erst einmal eine Führung durchs Haus. "Den Saal wollen wir bald in Holzbauweise erweitern, um noch mehr Platz für Gäste zu haben." ... "Diese Wand haben wir eingerissen und dahinter einen Riesenhaufen alter Möbel gefunden." … Man merkt, dass sich hinter den schon gemütlich hergerichteten Lounge- und Eventräumen noch mehr behutsames Work-in-Progress und viele weitere begeisterte Zukunftsvisionen verstecken. Mit zurückhaltenden Interventionen möchte hier ein ganz neuer Ort für Begegnung und gemeinsames Gestalten entstehen, der gleichzeitig die traditionelle Typologie des Berggasthofs ehrt und repräsentiert. Wir freuen uns, dass wir uns in diesem Jahr in einem so heimeligen Ort treffen konnten, der sich uns selbst gleich als ein tolles Projektbeispiel für den Erhalt unserer Baukultur zeigt.
Im Programm des ersten Tages standen dann als erster von drei Themenblöcken, die Ressourcen im Mittelpunkt. Heike Marcinek von der Deutschen Energie-Agentur (dena) machte den Programmauftakt und holte uns mit einem aktuellen Überblick über die Nachhaltigkeitstransformation im deutschen Bauwesen ab - von der altbekannten Energiewende hinüber in das Thema der Kreislaufwirtschaft, zu dem sie uns auch eine neue Studie der dena mitbrachte. Doch wie kann man sich nun inmitten dieses riesigen Themas als planende oder forschende Person seinen weiteren Weg in eine nachhaltigere Richtung bahnen? Konkrete Inspiration konnten die nächsten zwei Referenten hinzufügen: Jurek Brüggen gab mit seinem Vortrag “Wie Weiter?” Einblick in verschiedene mit Projektpartner*innen zusammen initiierte Projekte, die mit ganz zufälligen Beobachtungen anfingen, und schließlich zu Entwürfen und Gebäuden wurden, die neue Arten des Lebens und Bauens vorschlagen. Oliver Wege führte uns dann anhand seiner Forschungs- und Lehrtätigkeiten in den großen Helden des zirkulären und gleichzeitig regionalen Bauens ein: den Baustoff Lehm.
Bei leckerer Suppe konnte dieser erste inhaltliche Happen dann gemeinsam an der großen Tafel verdaut und diskutiert werden, bevor wir nach und nach in unsere Zelte verschwanden.
Am Samstag starteten wir direkt in ein volles Programm und knöpften uns als erstes den zweiten Themenblock zu sozialer Nachhaltigkeit und Arbeitskultur vor: Thomas Worbs vom Informationszentrum Umgebindehaus malte uns eine technische Zukunftsperspektive auf und führte uns dafür in die Erfassung der traditionellen Oberlausitzer Umgebindehäuser mittels 3D-Scan-Technologie ein. Danach bekamen wir noch ganz besonderen Besuch von Elen Kužvartová und Jana Pavlová aus der naheliegenden tschechischen Stadt Ústí nad Labem. In ihrer dortigen Ausstellung “Living in Ústí. Affordable Realities” haben sie Perspektiven von privatem Engagement in der Revitalisierung verlassener Orte inmitten der vorherrschenden Wohnungskrise präsentiert. Diese Einblicke brachten sie uns nun mit, und starteten damit einen ganz frischen Austausch und hoffentlich einen noch länger währenden Kontakt über die Landesgrenze hinaus!
Als Teil des dritten und letzten Themenblocks “Forschung, Bildung, Praxis”, brachte Ana Bisbicus uns Teile ihres aktuellen Lehrforschungsseminars an der Uni Kassel mit. Dort befasst sie sich gemeinsam mit Studierenden mit den Fragen, von wem und unter welchen Umständen unsere Lebensräume wirklich gebaut werden, und wie man die Machtverhältnisse innerhalb der Bauwirtschaft überhaupt erforschen kann. Die radikal praktische Perspektive eröffnete uns dann in einem letzten Vortrag Florian Hoppe vom Weimarer Büro Z-Architektur. Er führte uns durch deren Projekte im lasttragenden Strohballenbau - von der Produktion der Ballen direkt auf dem Feld bis zum realisierten Gebäude. Die super simplen Aufbauten und Montageprozesse lösten einige faszinierte Nachfragen aus und lieferten nochmals Beweise dafür, was in der realen Praxis doch tatsächlich schon möglich ist.
Natürlich durften auch in diesem Jahr die praktischen Workshops nicht fehlen, für die wir uns dann auf dem ganzen Hofgelände ausbreiten konnten. Vor dem Haus hatte Robin Lindner schon einige Handwerkzeuge aufgebaut, um uns die traditionelle Herstellung der für Sachsen typischen Keil-Nut-Schindeln zu zeigen. Aus den von ihnen selbst gemachten Holzschindeln konnten die Teilnehmenden am Ende dann einen kleinen Streifen Gebäudefassade bauen. Nebenbei konnte man den Drohnen von Thomas Worbs und seinem Team lauschen, die gerade über das Haus flogen, um Teile des Grundstücks zu vermessen. Danach fertigten sie mit den Campteilnehmenden mittels photogrammetrischer Objektaufnahme noch einen 3D-Scan vom Vortragssaal an. Wer tiefer ins Material Lehm eintauchen wollte, fand sich unter dem Pavillon im Garten zusammen, wo an den Plänen für den im August stattfindenden Lehmofenbau-Workshop gefeilt wurde.
Den ereignisreichen Tag konnten wir dann an der Baudenbar oder am Lagerfeuer gemütlich ausklingen lassen. Im großen Saal spendierte uns der Koch des Wochenendes zusätzlich sogar noch etwas Livemusik, in die sich auch einzelne Campteilnehmenden einzusteigen trauten.
Am Ende unseres Programms fragten wir wieder einmal nach was vom Campwochenende am meisten hängengeblieben war. Besonders oft fielen - neben der Referenz auf die vorher im Workshop befestigten Holzschindeln - noch zwei weitere Wörter: Motivation und Optimismus. Mit “Let’s do it!” und “Öfter zusammen kommen” unterstrichen zwei Personen dieses Sentiment noch weiter. Andere betonten, dass sie neue Perspektiven kennengelernt haben, und sich das Gefühl, anders Bauen sei möglich, noch verstetigen konnte.
Um dieses Gefühl und den ganzen Input der zwei Tage sacken zu lassen, begaben wir uns nach dem Abbau der Zelte am Sonntagmorgen dann noch auf eine schöne, gemeinsame Abschlusswanderung. Den Malerweg entlang ging es durch die umgebenden Wälder und dann an Felswänden vorbei bis hoch auf den Papststein. Von ganz oben auf dem Felsen konnten wir dann nochmal den Panoramablick über diese schöne Region genießen, bevor wir uns langsam auf den Heimweg machten. Hoffentlich konnten sich bei diesem schönen Ausblick die Motivation und der Optimismus, die sich am Vortag im Saal abgezeichnet haben, noch ein wenig verfestigen.
Es ist nicht immer leicht, zu begreifen, wo genau in der Transformation man sich gerade befindet, und was man dabei selbst anpacken kann. Sei es das natürliche Bauen mit Stroh oder Lehm oder die Geschichten von selbst initiierten Bauprojekten und privatem Engagement - Wir hoffen, dass das diesjährige Bauwende Camp wieder mit Inspiration und verschiedenen Perspektiven davon, was doch in der Praxis alles schon möglich gemacht wird, ausstatten konnte. Wir vom Team Bauwende Sachsen waren auf jeden Fall sehr begeistert vom regen Austausch und haben uns sehr über das nette Miteinander in dieser sehr nahen, gemütlichen Runde gefreut!
An dieser Stelle nochmal ein großes Danke an alle Teilnehmenden, Vortragenden und Helfenden! Wir sind gespannt, was die Zukunft weiterhin bringt!