Rückblick: Workshop
Kritische
Kartierung
Mit zwei Karten auf Lastenrädern durch die Innenstadt mitten im Weihnachtstrubel – unser Workshop am 13.12. führte uns quer durch die Dresdner Altstadt, um mit wachem Auge Plätze und Gebäude zu erkunden. Zusammen mit unseren Workshop-Teilnehmenden schlenderten wir über den Neumarkt und zur Kreuzkirche und diskutierten über die Fragen, für welche Menschen Innenstädte geplant und gebaut wurden oder wie Räume Menschen ausgrenzen können.
Im Rahmen der "FIX IT"-Ausstellung im Zentrum für Baukultur in Dresden veranstalteten wir einen Stadtspaziergang, um über mögliche Umnutzungen der Innenstadt Dresdens nachzudenken und andere Menschen zu einer bewussten Wahrnehmung und Infragestellung ihrer gebauten Umgebung zu animieren.
Für unseren Workshop nutzten wir das Kritische Kartieren – eine Methode, die ursprünglich von indigenen Völkern in Mittel- und Südamerika entwickelt wurde, um ungerechte oder benachteiligende Strukturen visuell darstellen zu können. Dabei werden Karten neu gefüllt und beschriftet mit Symbolen oder Schrift, um diese Ungerechtigkeiten darzustellen. Wir haben beispielsweise ausgrenzende Strukturen der Innenstadt Dresdens kartiert – wer kann sich hier aufhalten und wer nicht? Auf einer weiteren Karten haben wir unsere Utopien einer inklusiveren Stadtgestaltung festgehalten. Dadurch wurden nicht nur Probleme identifiziert, sondern gleichzeitig Vorschläge zur ihrer Behebung erarbeitet. Durch das gemeinsame, kollektive Kartieren konnten Anregungen und Ideen direkt ausgetauscht werden.
Durch einen kurzen Input am Anfang des Workshops im ZfBK führten wir die Teilnehmenden in die Methode ein und stellten einen kurzen Abriss der Geschichte der Innenstadt Dresdens vor. Gemeinsam sammelten wir schon erste Ideen, was wir an Angeboten und Aufenthaltsräumen in diesem Gebiet vermissen. Danach setzten wir uns unsere Mützen auf und zogen mit unseren Lastenrädern durch den Trubel. Durch die Größe der Karten wurden umstehende Menschen immer wieder aufmerksam auf unseren Workshop, wodurch sich einige interessante Gespräche entwickelten. So konnten auch unbeteiligte Menschen zum Nachdenken über ihre gebaute Umwelt bewegt werden.
Die Ergebnisse des Workshops haben wir auf einer Karte zusammengefasst. Kritisiert wurden vor allem fehlende Sitzmöglichkeiten und öffentliche Toiletten sowie mangelnde Begrünung auf den Plätzen der Innenstadt. Außerdem wurde das Fehlen von Radwegen und das Kopfsteinpflaster des Neumarktes als nicht barrierefrei als Problem benannt. Diese Gestaltung führt dazu, dass Menschen die Innenstadt bewusst meiden oder sich nicht länger dort aufhalten. Für eine inklusivere Gestaltung dieser Plätze wurden mobile Sitzmöglichkeiten, Hochbeete und die Pflanzung von Bäumen vorgeschlagen. Außerdem wünschten sich einige Teilnehmende einen Spielplatz am Neumarkt, einen Gemeinschafts- und Nachbarschaftsort für die Bewohnenden des Viertels oder die Integration von Angeboten für junge Menschen wie beispielsweise die Studierenden der Hochschule für Bildende Künste, die sich direkt am Neumarkt befindet.
Zum Abschluss fanden wir uns nochmal kurz im ZfBK ein und sammelten unsere Eindrücke des Spazierganges. Hierbei wurde die Methode des Kritischen Kartierens als positiv bewertet, jedoch auch teilweise pessimistische Ausblicke auf die weitere Stadtentwicklung der Dresdner Innenstadt deutlich. Trotz dessen konnten viele Teilnehmende einen neuen Blick für gebaute Räume entwickeln, der sie weiterhin begleitet und ihre Umgebung bewusst wahrnehmen lässt.
Der Workshop hat uns gezeigt, dass großes Interesse von Menschen an ihrem gebauten Umfeld besteht und viele Ideen existieren, wie dieses verbessert werden könnte. Der Gesprächsbedarf über Stadtentwicklung ist groß und Beteiligungsprozesse sollten dieses Bedürfnis auffangen und aktiv auf Menschen zugehen, um ihre Sichtweisen einzufangen und in zukünftigen Planungsprozessen besser zu berücksichtigen.